Kulturpalast bei Nacht © Tony Kowal

 

 

Nähert man sich der Hauptstadt Polens, fällt dem aufmerksamen Betrachter die aus mehreren hohen Gebäuden bestehende Stadtsilhouette ins Auge. Ein Bauwerk hebt sich dabei durch seine unverwechselbare Form von den anderen Hochhäusern ab: der Kulturpalast (Polnisch: Pałac Kultury i Nauki). Aufgrund seiner Ausmaße und seines prominenten Standortes im Stadtzentrum gilt der Kulturpalast als das bekannteste Wahrzeichen von Warschau. Der Palast erstreckt sich auf einer Fläche von sechs Hektar und besteht aus mehreren Gebäudeflügeln, an dessen zentralem Berührungspunkt sich der 231 Meter hohe Wolkenkratzer erhebt. Im Wolkenkratzer, der bis zum heutigen Tage das höchste Gebäude in Polen ist, befinden sich neben der Aussichtsterrasse im 30. Stockwerk ausschließlich Büroräumlichkeiten. Die niedrigeren Gebäudeflügel beherbergen den Kongresssaal, einen Kinokomplex, zwei Museen, vier Theater, einige Sporthallen und sogar eine Schwimmhalle.

 

 

Jedes Jahr findet am 1. August in Warschau ein großer Festakt statt. Um 17.00 Uhr ertönen Sirenen und die Passanten halten auf ihrem Weg an. Auf diese Weise wird des Beginns des Warschauers Aufstands gedacht. Das heutige Stadtbild von Warschau ist nicht zu verstehen, wenn man die Ereignisse des Warschauer Aufstands nicht kennt. Das historische Warschau westlich der Weichsel wurde von den Nazis in ein Trümmerfeld umgewandelt. Über 85% der Stadtsubstanz war zerstört. Die Verluste wurden auf 2,5 Billionen Dollars geschätzt. Über 150 000 Zivilisten starben, dazu über 16 000 Aufständische, 200 000 Warschauer wurden zur Zwangsarbeit ins Reich verschleppt, rund 70 000 in Konzentrationslager deportiert. Mit diesen barbarischen Handlungen wollten die Nazis die Warschauer strafen und ihre Nationalidentität schwächen.

Schlossplatz

 

 

Die Geschichte des Warschauer Königsschlosses ist einzigartig. Es wurde im XIV. Jh. als Sitz der Herzöge von Masowien gebaut. Im XVI. Jh. wurde das Warschauer Schloss die Residenz der Könige und Tagungsort des Parlaments im Doppelreich Polen-Litauen. Anfang des XVII. Jh. verlegte der König Sigismund III aus der schwedischen Dynastie der Wasa die Hauptstadt von Krakau nach Warschau und ließ seine neue Residenz ausbauen. Damals ist aus dem Schloss ein Bauwerk von ungefähr demselben Grundriss wie heute geworden: fünfflügeliges Gebäude im Innenhof, das in seiner Schlichtheit und ausgewogenen Proportionen eher an ein Rathaus erinnert. Im XVII. Jh. galt das Warschauer Schloss als eine der stattlichsten Monarchenresidenzen in Europa.

Museum der Geschichte der polnischen Juden

 

 

Im April 2013, zum 70. Jahrestag des Ausbruchs des Aufstandes im Warschauer Ghetto, nahm das Museum zur Geschichte der polnischen Juden seine Programmtätigkeit auf. Es ist weltweit das erste und einzige Museum, das die tausendjährige Geschichte der in Polen lebenden jüdischen Bevölkerung beschreibt – vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Dies ist nicht das nächste Holocaust-Museum, sondern ein Museum für das Leben.

Der Standort des Museums hat starken Symbolcharakter: Es steht mitten im Herzen des Stadtteils Muranów, direkt gegenüber dem Denkmal für die Warschauer Ghettohelden. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte sich genau hier das Zentrum jüdischen Lebens befunden. Nach der Besetzung durch die Nationalsozialisten wurde dieser Stadtteil 1940 an das Gebiet des rasch eingerichteten Warschauer Ghettos angeschlossen. Ab 1942 trieb man die Ghettobewohner genau hier entlang zum nahe gelegenen „Umschlagplatz“, von wo aus sie in das nordöstlich von Warschau gelegene Vernichtungslager von Treblinka deportiert wurden. 1943 tobten während des Ghettoaufstandes genau hier die Kämpfe der Aufständischen. Nach der Niederschlagung dieses Aufstandes machten die nationalsozialistischen Besatzer das Gebiet des ehemaligen Ghettos völlig dem Erdboden gleich. Nach Kriegsende enthüllte man bereits 1948 das Denkmal für die Warschauer Ghettohelden. Genau vor eben diesem Denkmal machte 1970 Bundeskanzler Willy Brandt seinen berühmten Kniefall, wodurch er all Jenen seine Ehrerbietung erwies, die hier ihr Leben gelassen hatten.